Manfred Güllner will aus dem operativen Geschäft des von ihm 1984 gegründeten Markt- und Meinungsforschungsinstituts Forsa ausscheiden. „Der Hauptgrund meines Rückzugs ist, dass ich die Biologie nicht verdrängen kann“, sagte Güllner der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Wie bei einem alten Auto rosten manche Teile, obwohl der Motor noch funktioniert“
Das Aufhören falle ihm nicht leicht; es treffe zu, was ein früherer NRW-Landtagspräsident einmal über ihn gesagt habe: „Der Güllner hat sein Hobby zum Beruf gemacht.“
Er werde aber nach wie vor jeden Abend Zahlen seines Meinungsforschungsinstituts bekommen, um die Entwicklung der politischen Stimmung zu verfolgen. „So kann ich die Forsa-Geschäftsführung bei der Politik- und Wahlforschung weiter beraten und auch meinen Newsletter fortführen. Und wenn Medien bei mir anfragen, bin ich gerne dann Gesprächspartner, wenn ich Daten habe, um etwas Fundiertes sagen zu können“, sagte er.
Güllner zeigte sich „bestürzt und besorgt über den heutigen leichtfertigen und verantwortungslosen Umgang vieler Medien und Politiker mit Umfragedaten“ und darüber, dass es in der Branche zunehmend schwarze Schafe gebe, „die wenig verlässliche und mit der Realität meist nicht übereinstimmende Daten auf undurchsichtige Weise generieren“.
Auf die Frage, ob die Markforschung, die „Cash-Cow“ der Demoskopie, irgendwann obsolet ist, weil Internetkonzerne wie Amazon, Google oder Meta mittlerweile unendlich viel über die Lebensgewohnheiten wissen, antwortete Güllner, dass davon manche schon lange träumten. „Doch wenn man kein Deutungsraster für diese vielen Daten hat, dann sind sie schlicht nutzlos“, sagte er. Es führe kein Weg daran vorbei, Menschen nach den Gründen, nach dem Warum für ihre Ansichten und Entscheidungen zu fragen. „Die Ergebnisse solcher Primärerhebungen müssen dann in einem Kontext mit anderen vorliegenden Daten interpretiert werden.“
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