Al­les dicht­ma­chen oder seid ihr noch ganz dicht?

Foto: Stefan Brending, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

Al­les dicht­ma­chen oder seid ihr noch ganz dicht?

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Mei­nung. Un­ter dem Hash­tag #Al­les­dicht­ma­chen fin­det mo­men­tan ei­ne Kam­pa­gne statt, die sich über die Co­ro­na­maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung lus­tig macht. 

Mit da­bei sind be­kann­te Schauspieler:innen wie Jan Jo­sef Lie­fers, Hei­ke Ma­katsch und Ul­ri­ke Fol­kerts. Die kur­zen Vi­de­os wur­den auf ei­nem You­tube Ka­nal hoch­ge­la­den und führ­ten in­ner­halb kür­zes­ter Zeit zu star­ker Kri­tik. Doch war­um wer­den die­se Vi­de­os als so pro­ble­ma­tisch wahrgenommen?

Zu­nächst er­scheint es in An­be­tracht der ak­tu­el­len Co­ro­na­si­tua­tio­en ex­trem un­an­ge­bracht, sich über die Pan­de­mie lus­tig zu ma­chen. Wäh­rend In­ten­siv­sta­tio­nen über­füllt sind, zu we­nig Impf­do­sen vor­han­den sind, und Men­schen nach wie vor an die­sem Vi­rus ster­ben ist es zy­nisch, sich über das Tra­gen von Mas­ken lus­tig zu ma­chen. Der „Hu­mor“ der Vi­de­os funk­tio­niert im­mer auf die glei­che Wei­se. Die Schauspieler:innen be­to­nen, wie gut sie die Maß­nah­men fin­den und for­dern ei­ne Ver­stär­kung, die so ab­surd ist, dass sie die zu­vor un­ter­stütz­te Maß­nah­me ins Lä­cher­li­che zieht. So be­tont Hei­ke Ma­katsch in ih­rem Vi­deo, dass sie mitt­ler­wei­le nicht ein­mal mehr Pa­ket­bo­ten oder Piz­za­lie­fe­ran­ten die Tür öff­net, auch wenn sich nun vor der Tür die Pa­ke­te oder Piz­zen sta­peln. Da­durch zieht sie das Kon­zept des So­cial Di­stancings auf ei­ne Art und Wei­se ins Lä­cher­li­che, die ge­schmack­los ist, wenn man be­denkt wie vie­le Men­schen un­ter den feh­len­den so­zia­len Kon­tak­ten leiden.

Den Vo­gel schießt je­doch Jan Jo­sef Lie­fers ab. In sei­nem Vi­deo „be­dankt“ er sich zu­nächst bei den Me­di­en für ih­re Be­richt­erstat­tung, die zu Pa­nik und Alarm in der Be­völ­ke­rung führt. Iro­nisch be­grüßt er ei­nen an­geb­lich feh­len­den, kri­ti­schen Dis­kurs zur Co­ro­na­pan­de­mie, denn „Schließ­lich wis­sen nur ganz we­ni­ge Spe­zia­lis­ten was wirk­lich gut für uns ist“. Da­mit schlägt Lie­fers in die glei­che Ker­be, wie es Querdenker:innen und Verschwörungstheoretiker:innen seit Be­ginn der Pan­de­mie tun: Die Pres­se ist gleich­ge­schal­tet und Expert:innen und Virolog:innen kom­men nur zu Er­geb­nis­sen, die der Bun­des­re­gie­rung ge­nehm sind. Die Idee der Lü­gen­pres­se ist nicht nur fak­tisch falsch, son­dern auch ge­fähr­lich, denn sie ist Was­ser auf den Müh­len an­ti­de­mo­kra­ti­scher, wis­sen­schafts­feind­li­cher Grup­pen und Par­tei­en. Am En­de des Vi­de­os schließt Lie­fers mit den Wor­ten: „Ver­zwei­feln Sie ru­hig, aber zwei­feln Sie nicht“ und bringt die ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Ideo­lo­gie des Vi­de­os da­mit auf den Punkt. Er tut so, als wür­den Maß­nah­men­be­für­wor­ten­de nicht kri­tisch den­ken und, als wä­re das Ein­hal­ten der Co­ro­na­re­geln auf feh­len­des, kri­ti­sches Hin­ter­fra­gen zurückzuführen.

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Da­mit liegt er ge­nau­so falsch wie all die Schauspieler:innen, die in den Vi­de­os mit­ge­wirkt ha­ben. Was sie näm­lich über­se­hen ha­ben ist, dass das Ein­hal­ten der Co­ro­na­re­geln So­li­da­ri­tät be­deu­tet. Durch das Tra­gen von Mas­ken, Ein­hal­ten von Ab­stän­den und Ein­schrän­ken so­zia­ler Kon­tak­te schützt man nicht nur sich selbst, son­dern auch An­de­re. Das be­deu­tet nicht, dass man die Maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung nicht kri­ti­sie­ren kann und soll. Öff­nung von Schu­len, feh­len­de Ho­me­of­fice-Pflicht und bü­ro­kra­ti­sches Wirr­warr beim Imp­fen, das sind nur ei­ni­ge der Din­ge, die man an­pran­gern könn­te und, die, ne­ben­bei be­merkt, von di­ver­sen Me­di­en und Expert:innen ge­gen­über der Bun­des­re­gie­rung kri­ti­siert werden. 

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Die Web­site zu der Kam­pa­gne ist zur­zeit nicht er­reich­bar und ei­ni­ge der Vi­de­os be­reits ge­löscht. Jan Jo­sef Lie­fers ver­öf­fent­lich­te ei­ne Stel­lung­nah­me zu den Vi­de­os auf In­sta­gram, in der er sich von Querdenker:innen und der AfD di­stan­ziert. Er stün­de kei­ner Par­tei fer­ner. Das mag stim­men, ist aber ei­gent­lich völ­lig un­er­heb­lich. Das Pro­blem ist ein feh­len­des Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein für die Reich­wei­te, die die­se Pro­mis ha­ben, und ein grund­sätz­li­ches Takt­ge­fühl. Ge­ra­de, wenn es um ei­ne Pan­de­mie mit welt­weit mitt­ler­wei­le 3 Mil­lio­nen To­des­op­fern geht.

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