Glau­be und Co­ro­na – Wie geht es dir, Ol­den­burg? Teil 1

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Glau­be und Co­ro­na – Wie geht es dir, Ol­den­burg? Teil 1: Judentum.

Nicht nur die Os­ter­fei­er­ta­ge nä­hern sich. Schon seit dem 27. März fei­ern Ju­den auf der gan­zen Welt Pes­sach, um an den Aus­zug der Is­rae­li­ten aus Ägyp­ten zu er­in­nern. Das Fest dau­ert ei­ne Wo­che an und ge­hört zu den wich­tigs­ten der Glau­bens­ge­mein­schaft. Auch der Ra­ma­dan, der is­la­mi­sche Fas­ten­mo­nat, be­ginnt am 12. April. Ge­nau der rich­ti­ge Zeit­punkt al­so für die Ol­den­bur­ger Nach­rich­ten, sich bei den ver­schie­de­nen Ge­mein­den in Ol­den­burg um­zu­hö­ren. Wie geht es Ih­nen in der Co­ro­na-Zeit? Wie le­ben Sie Glau­ben und Re­li­gi­on wäh­rend der Pandemie?

Teil 1: Die Jü­di­sche Ge­mein­de zu Oldenburg

Dr. Eli­sa­beth Schle­sin­ger ist die Vor­sit­zen­de der Jü­di­schen Ge­mein­de in Ol­den­burg. Schon seit meh­re­ren Mo­na­ten fin­den dort aus­schließ­lich On­line-An­ge­bo­te statt. Denn: „Mit der ge­ra­de erst be­gon­ne­nen drit­ten Wel­le hat sich die Si­tua­ti­on noch mehr ver­schärft“. Die G“ttesdienste fin­den seit Be­ginn der zwei­ten Wel­le im Herbst 2020 über On­line-Por­ta­le statt, da­vor gab es zeit­wei­se Hybrid‑G“ttesdienste (Anm.d.Red.: Im Ju­den­tum ist der Na­me G“ttes be­son­ders hei­lig. Oft wer­den Er­satz­na­men, wie et­wa Adonai, ver­wen­det. Für die­sen Ar­ti­kel ha­ben wir des­halb die Schreib­wei­se der jü­di­schen Ge­mein­de über­nom­men). Schle­sin­ger er­klärt, dass die­se aus­schließ­lich mit ei­ner sehr be­grenz­ten An­zahl von jün­ge­ren und ge­sun­den Be­tern in der Syn­ago­ge ver­an­stal­tet wur­den, na­tür­lich mit im­mer wie­der ak­tua­li­sier­ten Hy­gie­nekon­zep­ten. Ein wich­ti­ger Teil des Ju­den­tums ist das Ler­nen, so ist man ähn­lich wie im öf­fent­li­chen Schul­sys­tem für den He­bräisch­un­ter­richt und an­de­re re­li­giö­se Un­ter­richts­stun­den auf On­line-Un­ter­richt umgestiegen.

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Auch au­ßer­halb die­ser An­ge­bo­te ist die Ver­net­zung in­ner­halb der Ge­mein­de stark: „Mit al­len Mit­glie­dern, die nicht zur di­gi­ta­len Teil­ha­be in der La­ge sind, hal­ten wir per Te­le­fon und Post Kon­takt. Jun­gen Fa­mi­li­en mit klei­nen Kin­dern ha­ben wir zu­dem im Ver­lauf des letz­ten Jah­res zu den jü­di­schen Fes­ten Pa­ke­te mit Bastel‑, In­fo­ma­te­ri­al und Re­zep­ten ge­schickt. In­ner­halb der Ge­mein­de ver­netz­ten sich die un­ter­schied­li­chen Al­ters­grup­pen über die so­zia­len Me­di­en, so­gar die Se­nio­ren ha­ben in­zwi­schen ei­ne Whats-App-Grup­pe ge­grün­det und un­ser Se­nio­ren-Club tagt per Skype“.

Ver­ant­wor­tung in der Pandemie

Die Vor­sit­zen­de ist sich be­wusst, dass die­se An­ge­bo­te nie­mals ein voll­stän­di­ger Er­satz für per­sön­li­che Be­geg­nun­gen sein kön­nen, sie sieht die On­line-Ver­an­stal­tun­gen als „ver­ant­wort­ba­ren und hilf­rei­chen Be­helf“. Die Ge­mein­de­mit­glie­der sei­en trotz­dem dank­bar für al­le Mög­lich­kei­ten. Gleich­zei­tig bli­cke man mit Sehn­sucht nach Is­ra­el, wo ein Groß­teil der Be­völ­ke­rung be­reits ge­impft ist. Vie­le Ge­mein­de­mit­glie­der wün­schen sich, dass auch hier die Be­völ­ke­rung so schnell wie mög­lich durch­ge­impft wird, und dass man schritt­wei­se zu ei­nem nor­ma­len Ge­sell­schafts- und Ge­mein­de­le­ben zu­rück­keh­ren kann.

Als ehe­ma­li­ge Haus­ärz­tin er­war­tet Dr. Eli­sa­beth Schle­sin­ger von der Po­li­tik vor al­lem eins: „Ei­ne zü­gi­ge, bü­ro­kra­tie­ar­me und prag­ma­ti­sche Um­set­zung des staat­li­chen Impf­pro­gram­mes un­ter sehr ra­scher Ein­be­zie­hung der Haus­arzt­pra­xen“. Gleich­zei­tig sieht sie die Ver­ant­wor­tung der Ge­mein­de in der Pan­de­mie: „Selbst­ver­ständ­lich in­for­mie­ren wir be­reits seit ei­nem Jahr al­le un­se­re Mit­glie­der über die ak­tu­el­le Co­ro­na-La­ge. Wir ha­ben ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung ge­gen­über der Mehr­heit un­se­rer äl­te­ren Mit­glie­der. Vie­le von ih­nen kom­men aus Län­dern der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on und sind oft durch ei­ne Sprach­bar­rie­re zu­sätz­lich ein­ge­schränkt“. Hier konn­te durch meh­re­re spe­zi­fi­sche Co­ro­na-In­for­ma­ti­ons­schrei­ben auf Rus­sisch und Deutsch Ab­hil­fe ge­schafft wer­den. Zu­frie­den ist die Jü­di­sche Ge­mein­de auch, dass es zum Aus­tausch mit dem hie­si­gen Ge­sund­heits­amt kam: „Früh­zei­tig konn­ten wir In­for­ma­tio­nen zum staat­li­chen Co­ro­na-Impf­pro­gramm ins Rus­si­sche über­set­zen und die­se Über­set­zung hat wie­der­um das Ge­sund­heits­amt dank­bar an­ge­nom­men für sein Informationsmaterial“.

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Ins­ge­samt ist Schle­sin­ger der Über­zeu­gung, dass der Glau­be vie­len Men­schen in ei­ner Zeit der all­ge­mei­nen Ver­un­si­che­rung Halt ge­ben kann. Ei­nes be­tont sie aber: „Da­für sind nicht zwin­gend re­li­giö­se Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen not­wen­dig. Der Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit hat im Ju­den­tum obers­te Priorität!“

Die­ser Ar­ti­kel ist Teil un­se­rer Rei­he “Glau­be und Co­ro­na — Wie geht es dir Ol­den­burg?”. Hier fin­dest du Teil 2 über die Evan­ge­li­sche Kir­che, hier fin­dest du Teil 3 über die Is­la­mi­sche Ge­mein­schaft Ol­den­burg.

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